Auszug aus der Hunsrück Zeitung März 1961
Der Christ soll sich mutig zu
seinem Glauben bekennen
Einweihung der evangelischen Kirche in Tiefenbach
Erster
Spatenstich am 21. Oktober 1958 - Die ganze Gemeinde sowie zahlreiche Gäste
nahmen an der Einwehungsfeier teil.

Die
Gemeinde Tiefenbach hatte am vergangenen Sonntag Lätare (12. März 1961)
einen denkwürdigen Tag: die neu erbaute evangelische Kirche wurde unter
starker Beteiligung der Einwohnerschaft
und vieler Gäste aus den Nachbargemeinden eingeweiht. Als Vertreter des
Herrn Präses der Evangelischen Kirche des Rheinlandes war
Oberkirchenrat
Stöver gekommen. Vom Kirchenkreis Simmern waren erschienen:
Superintendent Vogel, sowie mehrere Pfarrer, unter Leitung von Pfarrer
Böttger, Tiefenbach, alle Presbyter der Kirchengemeinde
Sargenroth-Mengerschied, ferner die Lehrer des Kirchspiels. Als Vertreter
der Kommunalbehörden nahmen Landrat Rumetsch, Amtsbürgermeister Dr.
Vollbracht, Kreisbaumeister Peitz und Ortsbürgermeister Knebel teil. Auch
Architekt Dipl. Ing. Oertel, der den Bau entworfen hat, war anwesend,
ebenso die Inhaber der an der Ausführung beteiligten Firmen Dillig und Tries
aus Simmern sowie alle Handwerksmeister, unter Ihnen als Senior der im 8.
Lebensjahrzehnt stehende Dachdeckermeister Wagner aus Sargenroth. Der
Einweihungsgottesdienst war auf nachmittags 2 Uhr angesetzt. Bei strahlendem
Vorfrühlingswetter versammelten sich die Teilnehmer in der Dorfmitte an der
evangelischen Schule und zogen von hier aus unter dem Geläut der Glocken,
durch das mit Fahnen, Ehrenpforten, Girlanden und Tannengrün festlich
geschmückte Dorf zu dem neuen Gotteshaus, wo sie vom Posaunenchor begrüßt
wurden. Nach einem Gebet des Oberkirchenrats erfolgte die Schlüsselübergabe
durch Architekt Oertel, und nachdem der Gemeindepfarrer die Tür geöffnet
hatte, war die Kirche bald überfüllt.
Weit über 500 Personen fanden Platz, die
übrigen mussten notgedrungen, den nun folgenden Gottesdienst vor der Kirche
anhören, wo Lautsprecher angebracht waren.
Der aus
etwa 50 Sängerinnen und Sängern bestehende gemischte Chor sang unter der
Leitung von Frau Weirich " Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren".
Der Weiheakt erfolgte gemeinsam durch Oberkirchenrat Stöver, Sup. Vogel und
Pfr. Böttger. Nach einer Orgeleinleitung durch Organist Junge sang die
Gemeinde den Choral "Oh komm, du Geist der Wahrheit". Den liturgischen Teil
vollzog Pfarrer Böttger.
Die Predigt hielt Oberkirchenrat Stöver.
Am Text 1. Chronik 29, Vers 13 - 16, erklärte er Sinn und Aufgabe der Kirche
unserer Zeit. Nicht das Äußere der Kirche ist entscheidend, es kommt auf die
Innere Haltung der Gemeinde an.
Die Kirche
soll ein Haus der Anbetung sein und damit dem Glauben der Menschen dienen.
Eine schlichte Kapelle kann diesen Zweck genauso erfüllen wie ein
prunkvoller Dom. Gott lässt sich in kein Gotteshaus einmauern. Nur dadurch,
dass wir uns seiner unendlichen Gnade erinnern, ist uns der ferne Gott so
wunderbar nahe geworden. Ihm sollen wir dankbar sein für reichliche Spenden
und einen wohlgelungenen Kirchenbau; denn letztlich kommt von ihm. (Vers 14)
"Leihgabe Gottes"
Die Kirche ist
nur eine Leihgabe Gottes. Vergänglich wie jedes Werk von Menschenhand kann
sie in Sekunden vernichtet werden, wie wir es im Krieg erlebt haben. Sie
soll uns somit an unsere eigene Ohnmacht und Vergänglichkeit mahnen.
Selbstgefälligkeit und lasches Christentum sind unsere Feinde. Gott will,
dass alle Gemeindemitglieder freudig Verantwortung auf sich nehmen und sie
nicht Pfarrern und Kirchenbehörden überlassen. Der Christ soll sich mutig zu
seinem Glauben bekennen. Das ist um so notwendiger angesichts der drohenden
Gefahr aus dem Osten. Die Kirche soll uns dabei Rüstkammer des Glaubens
sein. Nach dem Predigtlied Nr. 388 und den Abkündigungen bot der gemischte
Chor in vorzüglicher Wiedergabe Joh. Seb. Bachs "Dir, dir, Jehova, will ich
singen". Nach dem Kirchengebet und dem gemeinsamen "Unser Vater" sang die
Gemeinde als Ausgangslied "Nun danket alle Gott". Der von dem
Superintendenten gespendete Segen beschloss den Gottesdienst. Unter den
Klängen des Orgelnachspiels und dem Geläut der Glocken verließ die Gemeinde
das Gotteshaus. Die Kollekte, die für den weiteren Ausbau der Kirche
bestimmt ist, ergab einen hohen Betrag.
Nachfeier im Saal Wolf
Anschließend fand im festlich dekorierten
Saale Wolf eine Nachfeier statt, zu der die Frauen der ev. Gemeinde schon
Tage zuvor alles vorbereitet hatten, so dass die etwa 500 Teilnehmer
reibungslos an den mit Frühlingsblumen geschmückten, reich gedeckten Tischen
Platz nehmen und mit Kaffee, Kuchen und belegten Broten bewirtet werden
konnten.
Sechs Frauen,
die den Kaffee für die vielen Gäste kochten und denen ein besonderes Lob
gebührt, sorgten dafür, dass die Tassen durch junge Mädchen schnellstens
immer wieder nachgefüllt wurden. Alles klappte dank der vorzüglichen
Organisation tadellos, und die aus nah und fern gekommenen Gäste spendeten
dafür uneingeschränktes Lob. Viele Freunde und Verwandte, die bei der Feier
auch gern dabei gewesen wären, konnten nur deshalb nicht eingeladen werden,
weil der Saal nicht mehr Menschen zu fassen vermochte. Zu Beginn dieser
Nachfeier begrüßte Pfarrer Böttger alle Anwesenden, dankte dem Architekten,
den Handwerkern und allen anderen, die schaffend und sorgend am Bau
mitgewirkt haben. Auch Oberkirchenrat Stöver und Superintendent Vogel
sprachen Worte des Dankes und mahnten zu festem Zusammenstehen unter dem
Evangelium. Landrat Rumetsch sprach als Vertreter der Kommunalbehörden die
Anerkennung für das Geleistete aus und bezeichnete es als notwendig, dass
weltliche und kirchliche Stellen Hand in Hand arbeiten. Durch den Bau der
Kirche habe das Dorf unzweifelhaft auch in seinem äußeren Bild gewonnen.
Die Baugeschichte des Gotteshauses
Lehrer Fröbel,
dem in seiner Eigenschaft als Presbyter der Gemeinde die Buch- und
Kassenführung, sowie die örtliche Organisation des Kirchenbaues
anvertraut waren, verlas die von ihm verfasste Baugeschichte. Der Plan in
der Gemeinde Tiefenbach eine evangelische Kirche zu bauen, bestand schon
zweimal, kam aber nicht zur Ausführung. zu Beginn des Jahres 1953 wurde er
erneut aufgegriffen, zumal sich die Wegverhältnisse zur 3 km entfernten
Nunkirche ständig verschlechterten und so vor allem den Alten, die Teilnahme
am Gottesdienst außerordentlich erschwert wurde.
Am 20. Februar 1955 fasste man in einer
Gemeindeversammlung den endgültigen Entschluss und wählte einen
Bauausschuss. Nachdem die umfangreichen Vorarbeiten abgeschlossen waren,
erfolgte am 21. Oktober 1958 der erste Spatenstich.
Schon am 23. Dezember 1958 konnte auf der Turmspitze der Richtbaum gesetzt
werden. Im Jahre 1959 wurden das Dach gedeckt und die Innenarbeiten
begonnen.
Am
15. Juli 1960 erfolgte der Guss der Glocken in einer Westerwälder
Glockengießerei.
Am
21. Dezember 1960 wurden die Glocken aufgezogen und Tags darauf geweiht.
Durch einen weiteren Zuschuss vom Landeskirchenamt konnte im Spätherbst des
Jahres 1960 der Innenausbau fortgesetzt werden.
Leuchtendes Beispiel der Opferbereitschaft
Insgesamt hat
die aus 400 Männern, Frauen und Kindern bestehende evangelische Gemeinde an
barem Geld rund 21.000 DM geopfert. Hinzu kommt der Wert des Bauholzes, das
die politische Gemeinde aus dem eigenen Wald zur Verfügung stellte, und
viele tausend Stunden unentgeltlicher Arbeit der Gemeindeglieder, insgesamt
also ein leuchtendes Beispiel der Opferbereitschaft und Hingabe für ein Werk
- Gott allein zur Ehre!
Der Frauen-
und der gemischte Chor unter der bewährten Leitung von Frau Weirich sangen
die gut einstudierten Chöre "Hebe deine Augen auf" von Felix
Mendelssohn-Bartholdy und "Im Abendrot" von Franz Schubert und trugen damit
wesentlich zur Verschönerung des Nachmittags bei. Auch der Posaunenchor tat
sein Bestes.
Gegen 18 Uhr war die wohlgelungene und von
Gemeinschaftsgeist zeugende Nachfeier zu Ende und damit die Einweihung
abgeschlossen. Sie wird den evangelischen Einwohnern in steter Erinnerung
bleiben als ein Tag, an dem nach sechsjähriger Planungs- und Bauzeit die
Kirche fertig war und sich die Gemeindeglieder in ihr versammeln konnten, um
Gott zu danken, dass er ihnen Kraft verliehen hat, dieses Werk zu
vollbringen.